Das ist ja fein. Und auch ganz großartig, dass sich allerlei wissenschaftliche Institute und Organisiationen gegen Umerziehungs-Programme aussprechen. Ich will selbstverständlich nicht diese wissenschaftlichen Erklärungen in Frage stellen. Aber ich will die Frage stellen: warum ist das so entscheidend, dass Homosexualität keine Wahl ist?
Warum ist die Natur überhaupt so eine entscheidende Kategorie? Und warum sollte es christliche Fundamentalisten davon abbringen, diese "natürliche Krankheit heilen" zu wollen? Natürlichkeit ist per se keine soziale oder moralische Norm. Weil etwas ist, heisst es noch nicht, dass es gut ist.
Die Frage ist doch eher:
Was wäre denn, wenn es nicht natürlich wäre, nicht biologisch determiniert, sondern freiwillig? Was wäre denn, wenn es die Wahl gäbe, wenn es gleichermaßen natürlich erschiene, heterosexuell oder homosexuell zu sein, und sich Menschen individuell entschieden dafür, homosexuell zu sein? Warum wäre das eine so bedrohliche Vorstellung?
Wenn Homosexualität nicht nur eine bedauernswerte Determinante der willkürlichen Natur wäre, sondern auch eine freudige Entscheidung von selbstbestimmten Menschen?
Der Wert einer Sache entsteht ja nicht dadurch, dass sie schon immer da war, der Wert einer Handlung bestimmt sich ja nicht dadurch, dass es nicht anders möglich war, als so zu handeln, sondern dadurch, dass es eine Wahl gab, dass es eine Entscheidung gab, etwas zu wollen.
Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf jeden Fall wollen, dass meine Sexualität auch gewählt, von mir gewählt, und nicht nur bestimmt wäre. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich den Vertretern der Umerziehungsprogramme lieber erklären, warum mir dieses Begehren gefällt, warum ich es möchte, anstatt zu erklären, warum es keine Wahl gibt und gleichsam ungewollt ist. Nicht weil die eine oder die andere Form der Sexualität moralisch oder politisch oder sozial besser oder schlechter oder auch nur hipper wäre, sondern nur, weil ich eine selbstbestimmte Wahl der individuellen Vorstellung vom eigenen Leben für wichtig halte.
Und wenn ich die Wahl hätte, würde ich mir wünschen, dass diese gedankliche Option: dass Homosexualität gewollt oder gewählt sein könnte, ebenfalls Teil der pädagogischen Erklärungen würde.
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