Carolin Emcke
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> Blog: Was ich nicht verstanden habe, ....
30.10.2009

Gay Education

Was ich nicht verstanden habe, ist, warum die Frage: "Is it a choice?" eigentlich so wichtig sein soll. Das Video ist natürlich witzig und vergnüglich, aber dabei täuscht die eigene Heiterkeit beim Betrachten (meine Lieblingsstelle ist die, in der Freud mit diesem grandiosen Akzent auftritt...) darüber hinweg, dass die Grundfrage völlig irritierend ist. "Gay education" erklärt, in allerlei Volten, dass Homosexualität "natürlich" und genetisch bedingt sei - also keine Wahl.

Das ist ja fein. Und auch ganz großartig, dass sich allerlei wissenschaftliche Institute und Organisiationen gegen Umerziehungs-Programme aussprechen. Ich will selbstverständlich nicht diese wissenschaftlichen Erklärungen in Frage stellen. Aber ich will die Frage stellen: warum ist das so entscheidend, dass Homosexualität keine Wahl ist?

Warum ist die Natur überhaupt so eine entscheidende Kategorie? Und warum sollte es christliche Fundamentalisten davon abbringen, diese "natürliche Krankheit heilen" zu wollen? Natürlichkeit ist per se keine soziale oder moralische Norm. Weil etwas ist, heisst es noch nicht, dass es gut ist.

Die Frage ist doch eher:

Was wäre denn, wenn es nicht natürlich wäre, nicht biologisch determiniert, sondern freiwillig? Was wäre denn, wenn es die Wahl gäbe, wenn es gleichermaßen natürlich erschiene, heterosexuell oder homosexuell zu sein, und sich Menschen individuell entschieden dafür, homosexuell zu sein? Warum wäre das eine so bedrohliche Vorstellung?

Wenn Homosexualität nicht nur eine bedauernswerte Determinante der willkürlichen Natur wäre, sondern auch eine freudige Entscheidung von selbstbestimmten Menschen?

Der Wert einer Sache entsteht ja nicht dadurch, dass sie schon immer da war, der Wert einer Handlung bestimmt sich ja nicht dadurch, dass es nicht anders möglich war, als so zu handeln, sondern dadurch, dass es eine Wahl gab, dass es eine Entscheidung gab, etwas zu wollen.

Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf jeden Fall wollen, dass meine Sexualität auch gewählt, von mir gewählt, und nicht nur bestimmt wäre. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich den Vertretern der Umerziehungsprogramme lieber erklären, warum mir dieses Begehren gefällt, warum ich es möchte, anstatt zu erklären, warum es keine Wahl gibt und gleichsam ungewollt ist. Nicht weil die eine oder die andere Form der Sexualität moralisch oder politisch oder sozial besser oder schlechter oder auch nur hipper wäre, sondern nur, weil ich eine selbstbestimmte Wahl der individuellen Vorstellung vom eigenen Leben für wichtig halte.

Und wenn ich die Wahl hätte, würde ich mir wünschen, dass diese gedankliche Option: dass Homosexualität gewollt oder gewählt sein könnte, ebenfalls Teil der pädagogischen Erklärungen würde.

Kommentare

  • Inka Wienen
    30. Okt 2009 16:40
    Wahlfreiheit
    Die Entstehung von Charakter und Persönlichkeit ist das Resultat zahlreicher individueller Entscheidungen. Damit wir uns überhaupt entscheiden, löst unser Körper chemische Substanzen aus, die uns bei Handlungen, wenn nicht gar Freude, wenigstens einen Kick bringen. Unser „Selbst" wählt bei Alternativen, das aus, was von ihm selbst als Vorteil erfahren wird. Unsere Handlungsmotive sind dabei neben unserem genetischen Baukasten von neurobiologischen sozialen und psychlogischen Einfüssen bestimmt. Warum löst die Feststellung einer Determiniertheit Unbehagen aus? Weil wir den Gedanken nicht aufgeben wollen, dass es eine Verantwortlichkeit für das eigene Tun gibt? Denn, wie können wir noch für etwas sein, für etwas streiten und kämpfen, wenn wir das Prinzip des "Anders- Handeln-Können" aufgeben? Was ist dann richtig und was falsch? Die Natur hat das Leben erschaffen. Unnatürlichkeit gibt es nicht. Der „freie Wille"ist auch nur umgeben von Determinanten. Mir ist vollkommen wurscht, wo Homosexualität oder Heterosexualität verhandelt wird: Ob auf einem winzigen Abschnitt unserer Desoxyribonukleinsäure oder im Hypothalamus. Ist es doch nur ein launiger Einfall der Natur, dass wir uns nicht selbst befruchten können.
  • tine sperner
    31. Okt 2009 14:13
    Interessantes Gedankenspiel
    Zieht man die Natur und die im Tierreich vorhandene Homosexualität als Argumentationshilfe heran, begibt man sich tatsächlich auf vermintes Gebiet und landet schnell bei archaisch impulsiven Verhaltensmustern. Der Neandertaler in uns, der die Menschen ohnehin immer noch stärker beherrscht, als den meisten lieb sein dürfte, würde eine unerwünschte Aufwertung erfahren. Der Einfachheit und Bequemlichkeit halber benutze ich das Natur-Argument trotzdem gelegentlich. Nämlich dann, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber ist nicht gewillt, sein "Neandertal" zu verlassen. Auch diese diffuse Angst vor der unkontrollierten Zunahme der Homosexuellen (Hilfe, eine Homopandemie!) und womöglich noch deren Weltherrschaft ist in meinen Augen so vollkommen irrational, dass diese ebenfalls in den Untiefen des menschlichen "Neandertals" ihren Ursprung haben dürfte. Das Gedankenspiel, sich für die Sexualität frei entscheiden zu können, will mir allerdings nicht richtig gelingen. Es stellt sich einfach kein Gefühl von Freiheit ein bei der Vorstellung, freie Wahl zu haben. Vielleicht liegt es daran, dass der lange Kampf gegen äußere und innere Widerstände die Akzeptanz der eigenen Homosexualität zu einer Art gefühlten Willensentscheidung werden lässt, weil es zu mir gehört, weil ich mir das nicht nehmen lassen will, sprich: weil ich gar nicht anders will. Vielleicht fällt mir das Gedankenspiel auch deshalb schwer, weil es mir bei aller Vorbestimmtheit so leicht fällt, dieser nüchternen biologischen Vorlage so viel Gefühl abzugewinnen, dass das Fehlen der Wahlfreiheit gar nicht als Verlust empfunden wird. Sicher, die eigene Identität selbstbestimmt und frei von Zwängen zu finden, ist allemal erstrebenswerter, aber in der Realität sind es doch gerade die Widerstände und Stolpersteine, die einen formen - und bisweilen auch deformieren. Vielleicht fehlt mir aber auch einfach, als Gegenpol zum "Fatalismus-Gen", das "philosphische Gen"...;-) Herzliche Grüsse an alle wie auch immer Determinierten von Determinator Tine P.S.: eine Frage noch an Sie, Frau Emcke, unabhängig vom Blogbeitrag. Ihre Sonntagsveranstaltung "Streitraum" klingt immer so verlockend interessant, dass es fast weh tut, nicht zuhören zu können. Berlin liegt für mich leider nicht um die Ecke. Gäbe es die Möglichkeit, den "Streitraum" entweder über einen allgemeintauglichen Radiosender/Internet zu übertragen oder, besser noch, als Podcast anzubieten? Wär 'ne feine Sache. :-)
    • M. Reich
      01. Nov 2009 15:59
      Streitraum
      Liebe Frau Sperner, ich hatte bezüglich des Streitraumes das selbe Interesse und bei der Bundeszentrale für politische Bildung, die den Streitraum wohl organisiert, angefragt: Der Streitraum wird tatsächlich aufgezeichnet, aber sie wissen noch nicht, wie sie das entsprechende Material weiterverarbeiten wollen und halten es noch zurück. Allerdings ist diese Auskunft nun auch schon etwas älter. Vielleicht hat es ja Erfolg, wenn mehrere eine entsprechende email schreiben? Herzliche Grüße, M. Reich
    • Carolin Emcke
      02. Nov 2009 14:59
      "Streitraum"
      Wir denken genau darüber gerade nach, ob und wenn ja wie wir den "Streitraum" auch langfristig via Video oder podcast ins Netz stellen könnten. Richtig entschieden ist die Frage noch nicht, weil wir als "Streitraum" Team abwägen, was wir bevorzugen: eine einmalige Veranstaltung, in der auch mal etwas misslingen kann, die auch von der Spontaneität des Gesprächs lebt, von der Wertschätzung für ein Theater als Ort öffentlicher Intervention vs. ein Disskussionsformat, das auch im Netz noch angeschaut werden kann und so auch nachhaltig und auch über Berliner Gäste des Streitraums hinaus zum Nachdenken anregen kann. Die Frage ist auch, ob der Streitraum sich dann den Erwartungen an standardisierte Diskussionsformate anpassen müsste oder ob er so lang und unkontrolliert bleiben darf wie bisher. Mal sehen.
  • Cornelia
    02. Nov 2009 22:03
    ... und es ist gut so
    Diese "freie Wahl" existiert doch bereits, oder hat nicht etwa der Bisexuelle genau diese Entscheidungsmöglichkeit ? Mich wundert, dass homophobe Gruppierungen sich dieser Spezies nicht vermehrt zuwenden, denn da wären die "Heilungschancen" doch am wahrscheinlichsten. Ich zweifle, ob mir die Option der freien Wahl etwas brächte, ich fühle mich mit meiner genuinen Veranlagung im Einklang, und würde mich - so ich könnte - auch bewusst für ein lesbisches Leben entscheiden. Viel interessanter an Ihrer Überlegung wäre allerdings das Ergebnis der im Moment heterosexuell lebenden Menschen, denn für sie gälte wohl die gleiche Wahlfreiheit, wenn es sie denn gäbe. Ob wir dann zahlreicher wären ?? Ich glaube nicht, es bliebe alles wie es ist - "und das ist gut so". @Emcke: Ich mochte Sie gern im Presseclub - lange ist’s her - deshalb freue ich mich auch, dass Sie auf die Anfrage bezüglich des Streitraums positiv reagierten. Ihre AnhängerInnen sind nicht standardisiert, wir lieben das niveauvolle Unvollkommene.
  • Beate Hoves
    02. Nov 2009 23:24
    Streitraum
    Könnten diese Nachfragen nicht den bislang fehlenden Anlass bilden, einen kleinen Schritt in Richtung Veröffentlichung zu gehen? Z.B. einmal den Audiokanal genau so lang und unkontrolliert zu schalten? Ich will das gerne auch noch weiter begründen: Ich kenne keine Diskussionsrunde, die ein vergleichbares Niveau hat, die sich den gestellten Themen so ausführlich und von vielen Seiten nähert und den Zwischentönen Raum gibt - inhaltlich wie sprachlich. Der Streitraum weckt mich immer wieder aus dem Albtraum, von möglichst kurzfristigen und unverbindlichen, sensationsgetriebenen und geschichtsfreien Debatten umgeben zu sein. Mit der Öffnung zur verhinderten, weiter entfernten oder bislang ahnungslosen Öffentlichkeit könnte der Streitraum vielleicht auch anderen Menschen diese Art von Vertrauen geben. Das wäre doch auch eine Möglichkeit, das aktuelle Streitraumthema zu behandeln. Einfach reine Diskussion und Betrachtung aus der puristischen Werkstatt Schaubühne. Vielen Dank für die schönen Auseinandersetzungen - auch in diesem Blog.
  • Tine Sperner
    04. Nov 2009 09:42
    @ Cornelia "...und es ist gut so"
    Die Frage fand ich bei dem Gedankenspiel auch sehr interessant. Wie würden sich die Heterosexuellen bei Wahlfreiheit entscheiden? Bzw. welche/r Heterosexuelle hat sich bisher überhaupt mit dergleichen Intensität mit seiner eigenen Sexualität auseinandergesetzt, wie es Homosexuelle gezwungenermaßen tun. Man kann dieser Nötigung durchaus den positiven Aspekt abgewinnen, dass dieser Bewusstwerdungsprozess sehr wertvoll ist bei der Positionierung der eigenen Identität. Das macht Homosexuelle nicht zu besseren Menschen, schließlich gilt das auch für andere Themen. Sich bewusst entschieden zu haben, dass und warum man etwas tut und dies auch gerne tut, ist vielleicht, wie der Schallplatte die Nadel aufzusetzen. Ohne Nadel keine Musik. Und die Musik kann mir gefallen - oder auch nicht. Aber ich habe die Rille durchlaufen und weiß dass die Platte zwei Seiten hat.
  • Tine Sperner
    04. Nov 2009 09:55
    Streitraum
    Ich habe den Streitraum noch nie erlebt, kenne nur die Programmvorstellungen und jetzt auch "Fan"-Meinungen. Was ich aus den Beiträgen heraushöre, bestätigt erstmal meine Ahnung, dass ich wirklich etwas verpasse und sollte für Sie, Frau Emcke, Anlass genug sein, das Format auf keinen Fall anzupassen. Wenn gerade diese ausufernde Eigenart des Streitraums das ist, was ihn auch qualitativ ausmacht, wäre das ein großer Fehler. Bevor Sie das machen, bleibe ich lieber im Reich der Albträume, wohlwissend, dass es am Lehniner Platz aufhört. Vielleicht schaffe ich es ja doch mal bis Berlin.:-) Schön wäre tatsächlich, den Streitraum möglichst wenigen vorzuenthalten, aber bitte nur im Original.
  • M. Reich
    06. Nov 2009 19:12
    Streitraum
    Was ich nicht verstanden habe :-), ist, warum eine Veröffentlichung über Berlins Grenzen hinaus ein standardisiertes Diskussionsformat abverlangen sollte. Liegt nicht vielmehr in der Standardisierung des Gesprächs nicht auch schon dessen Tod? Ist es nicht viel mehr das freie Erzählen und die nicht in Schemen gepresste Diskussion, was Menschen erst zusammen kommen lässt? Es ist doch auch das unkontrollierte Entwickeln lassen des Gesprächs, welches erst die Möglichkeit schafft, sich in Themen zu verzahnen und diese weiter zu führen. Wie der Komplexität der Gesprächsgegenstände mit standardisierter und daher in ihren Möglichkeiten verarmter Sprache auch nur inhaltlich gerecht werden, wie die zwischenmenschlichen Potentiale der Beteiligten nutzen? Warum sollte denn das alles, was den Streitraum so begehrenswert macht, bei e.g. einer life- Audioübertragung nicht mehr gelten? Muss denn eine life - Übertragung die sonstige Form ändern? Geht sonst wirklich die Wirkung verloren? Oder ist es nicht eher umgekehrt? Die Gründe, die für die Art des Gesprächs in der Schaubühne sprechen, bleiben doch bestehen. Bei einer Veröffentlichung das Format zu wechseln oder gar den Streitraum in der Schaubühne diesem anzupassen, fände ich sehr schade - und auch am Ziel vorbei. Es lebe das offene Unvollkommene! Es stupst an zum Weitermachen. Danke für die bisherigen Streitraumgespräche.
  • M. Reich
    12. Nov 2009 20:58
    Die Wohltat,
    so der Artikel im "Freitag" bezüglich des Streitraums. Die Presse hat er also schon wohlig betört.
  • Beate Gattineau
    18. Nov 2009 10:30
    Besser später als nie
    Sehr geehrte Frau Sperner, ich habe mich sehr über Ihre Anfrage hinsichtlich des "Streitraums" gefreut. Denn - entgegen der Aussage eines Mitarbeiters der SCHAUBÜHNE, der den Podcast der letzten Diskussion für Ende Oktober in Aussicht stellte - fand ich natürlich nichts, egal welche Suchpfade ich bemühte. Jetzt ist mir auch klar warum.... Auch ich empfände es als echte Bereicherung , wenn diese Diskussionen (ungekürzt) als Podcast im Netz zu hören wären! Da es jetzt schon in diesem Blog zahlreiche Interessierte gibt, bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten das Interesse auf eine Streitraum-Fan-Gemeinde hochrechnen und eine kluge Entscheidung treffen.
    • Carolin Emcke
      18. Nov 2009 13:36
      Streitraum
      Also, nur zur Beruhigung: wir arbeiten dran. Und weil dies hier ein so großes Interesse daran gibt, will ich auch einmal den Prozess hinter den Kulissen beschreiben, das eigene Nachdenken und Abwägen. Wir haben den letzten Streitraum, im Oktober, durch ein Team mit zwei Kameras aufzeichnen lassen, weil wir selber einmal ausprobieren wollten, was sich mit so einem Mitschnitt machen ließe. Wir hatten zunächst mehr an einen Trailer gedacht, ein kurzes Video, mit dem wir auf das Thema "Öffentlichkeit und Vertrauen" aufmerksam machen können. Dazu wurde aber die gesamte Diskussion aufgezeichnet. Aus dem Material wurden zwei sehr schöne kurze Videos geschnitten, die es schon bald auf der Homepage der Schaubühne und auf meiner zu sehen gibt, und die immer wieder aktualisiert werden, um die nächsten Streitraum-Diskussion anzukündigen. Der Gesamt-Mitschnitt nun wirkte für mich selbst zunächst fremd. Das liegt einerseits daran, dass ich nicht gewohnt bin, mich selbst zu betrachten, und sich allein das schon etwas schräg anfühlt. Das andere aber ist, dass die eigenen Seh-Gewohnheiten von Diskussionen mittlerweile so durch das Fernsehen geprägt und konditioniert sind, dass die ästhetischen (nicht unbedingt die inhaltlichen) Erwartungen an eine Diskussion enorm hoch sind. Ich merkte an mir selbst, dass ich Ranfahrten erwartete, Wechsel zwischen einer totalen Perspektive und den Nahaufnahmen der einzelnen Diskutanten, alles Bilder und Bildfolgen, die mehr Kameras verlangen als wir es zur Verfügung hatten. Die Frage, die sich stellt, ist: wird der Zuschauer durch die abweichende Ästhetik und die etwas ärmere Bildsprache so überrascht und eventuell enttäuscht, dass dadurch die Konzentration auf das Gesagte abnimmt? Wirkt das Gespräch - und das IST der Streitraum letztlich: ein öffentliches Gespräch und weniger eine professionelle Talk-Show - auf einmal hölzern? Das alles spricht nicht gegen ein audio-postcast im Netz. Aber es sind Fragen, über die wir gerade nachdenken. Das Kamera und Schnitt-Team von Lizard Media ist hinreissend geduldig mit diesen Selbstzweifeln und sehr engagiert dabei, aus den Möglichkeiten, die wir haben, das Schönste zu machen. Ich hoffe, das wir nächste Woche ein Kurz-Video schon mal einstellen können. Ich hoffe, es hilft, wenn wir zumindest den Prozess des Nachdenkens transparent machen - und natürlich hilft es uns umgekehrt, zu hören, dass die Neugierde vielleicht die Seh-Konventionen trumpft.
      • cornelia
        18. Nov 2009 20:21
        ... und es ist besser so
        Liebe Frau Emcke, Ihre engagierte Resonanz auf ein paar blogerInnen- Einträge gefällt mir - ungewöhnlich. Danke. Amüsiert bin ich über die Tatsache, dass diese Diskussion unter der headline "gay education" stattfindet.
      • Gattineau
        18. Nov 2009 21:53
        Mißverständnis?
        Ich hoffe Sie haben das nicht mißverstanden, Frau Emcke. Der Beitrag war weder kritisch noch ironisch gemeint. Auch mir als Nicht-Medien-Frau ist klar, dass derartige Prozesse eine gewisse Zeit benötigen, bis das Format gefunden ist, mit dem alle leben können -und der kleine Blick hinter die Kulissen, verdeutlicht dies einmal mehr. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team jedenfalls gutes Gelingen bei dieser schwierigen Aufgabe und bin überzeugt davon, dass Sie eine gute Lösung finden werden. Mir persönlich kommt es nicht auf die gekonnten Einstellungen an, sondern auf die Inhalte der Diskussion.
  • Carolin Emcke
    19. Nov 2009 10:13
    Streitraum - Education
    Es ist wirklich kurios, was jetzt alles unter Gay Education diskutiert wird. Und keine Sorge: ich hatte das gar nicht als Kritik verstanden. Im Gegenteil: Ich freue mich darüber, welches Interesse an den Diskussionen in der Schaubühne besteht. Ich wollte einfach nur einmal erklären, warum wir da zögern, und wie dieser Prozess des "einfach mal ein Video ins Netz stellen" dann aussieht. Es ist auch für uns selbst interessant gewesen, weil eben auch deutlich wird, was das Besondere am Streitraum ist, was der Unterschied ist zwischen einer öffentlichen Debatte in einem Theater und einem Video im Netz oder einer Fernseh-Diskussion, wie anders auch gesprochen wird, wenn nicht das Bewusstsein für Kameras das Denken diktiert - und nicht zuletzt die einigermaßen unkontrollierte Länge der Diskussion: die meistens an die 2 Stunden reicht. Die Zuschauer im Theater sind das gewöhnt und lieben das. Ob das im Netz gelingt? Wir werden sehen.
  • Carolin Emcke
    19. Nov 2009 19:45
    Streitraum - ein Anfang
    So, für alle geduldigen Drängler...es gibt jetzt zumindest mal einen Trailer für den Streitraum für diese Spielzeit. Das ist nur ein kurzes Video und nur eine Art Ankündigung, die eine Ahnung gibt, wie bei uns gesprochen wird und - auch - wie die Ästhetik ist. Zu sehen unter "Diskussion" auf dieser homepage und bald auch auf der Schaubühnen homepage. Demnächst dann mehr - auch die lange Fassung der ersten Diskussion. Vielleicht taugt aber der kleine Appetithappen schon dazu, Freunde und Bekannte auf das nächste Gespräch im Theater hinzuweisen.
  • Gattineau
    20. Nov 2009 12:27
    "Es ist viel einfacher dumm zu bleiben..."
    Ein wunderbares Schlusswort! Die Programmgestaltung - auch der öffentlich Rechtlichen - zielt m.E. immer stärker in diese Richtung (man denke nur an die unsägliche Anzahl von Volksmusiksendungen). Daher ist die Möglichkeit, die Diskussionen im "Streitraum" mitzuerleben, gar nicht hoch genug zu bewerten. Vielen Dank für die Mühe!
  • cornelia
    20. Nov 2009 18:54
    vertrauen ist gut - streitraum ist besser (oder vice versa)
    Frau Emcke, Sie haben das Postulat auf Wachstumsbeschleunigung - wenn auch nicht ganz im Sinne der Urheberin - bereits in Gang gesetzt. Ihre Page wird bald aus allen Nähten platzen, weil eine Streitraum-Vor-Zwischen- und Nach-Bearbeitung hier stattfinden wird. Was halten Sie davon, eine permanente "blog-Seite", die für Beiträge "Streitraum" reserviert ist, anzulegen ? Zum Trailer: Persönlich kann ich mir durchaus vorstellen, eine Anhängerin des virtuellen Streitraum zu werden. Sie haben da - bezüglich der Qualität - etwas Understatement betrieben.
    • Carolin Emcke
      22. Nov 2009 01:16
      Diskussion über die Diskussion
      Also, die Idee mit einer möglichen Diskussion über den Streitraum greife ich gerne auf. Jetzt muss es erstmal gelingen, den ganzen Mitschnitt zu nutzen. Aber dann wäre es durchaus interessant, das ebenfalls kommentieren und diskutieren zu können. Das geht im Moment technisch noch nicht, aber das ließe sich sicherlich einrichten, dass unter "Diskussion" dann auch noch eine Kommentarleiste entsteht. Danke für die Anregungen jedenfalls.
  • M.Reich
    21. Nov 2009 19:33
    Danke
    für die schönen Trailer und auch für den Blick hinter die Kulissen! Ich freue mich auf die lange Version.
  • Beatrice Wilk
    24. Jan 2010 17:01
    Möglicherweise ist Verstehen-Wollen ein zu hoher Anspruch
    warum ist das so entscheidend, dass Homosexualität keine Wahl ist? Die meisten Menschen brauchen Schubladen, in die sie alles einsortieren können. So hat alles seine oder ihre Ordnung und auch gleich noch einen Namen. Die Menschen sind gut oder böse - in diesem Fall normal/gesund oder anormal/krank. Geht man nun davon aus, d. Homosexualität eine Krankheit ist, so wie ja hier und da noch davon ausgegangen wird, dann ist die Sache weniger bedrohlich. Sie kommt in eine Schublade auf der steht: Er/Sie kann nichts dafür. Die Schuldfrage ist geklärt und wir kommen fast schon besser weg, als wenn klar ist, d. es eine Frage der "richtigen" oder "falschen" Entscheidung ist. Verstehen kann auch ich nicht, weshalb es von Bedeutung ist, d. Homosexualität keine Wahl ist. Ich denke, es ist keine. Es mag Ereignisse und damit verbundene Erfahrungen im Leben der Menschen geben, die sie dazu veranlassen es mal am anderen Ufer zu probieren, weil es da vermeintlich besser ist. Somit ist die Wahl dann wieder gegeben - wobei Homos ja auch nicht als Homos leben müssen, wir könnten uns anpassen. Mitunter ist die Devise nicht Verstehen-Wollen sondern Aushalten können. Grüsse an alle Menschen, die die richtige Wahl getroffen haben. (Ich grüsse mich selbst)

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