Carolin Emcke
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> Blog: Was ich nicht verstanden habe, ....
12.10.2009

Nobelpreis fürs Wünschen

Was ich nicht verstanden habe, ist, warum nicht mein kleiner Neffe Luis den diesjährigen Friedens-Nobelpreis bekommen hat. Luis ist sanftmütig und freundlich, er spaltet nicht und er mag keine Streitereien. Was vor allem für ihn spricht, ist, dass er, der seine Gummitiere über alles liebt und sie überall mit hinträgt und mit ihnen sich in seine eigene Welt redet und spielt, dass er seine geliebten Gummitiere auch abgibt und sie mit anderen teilt.

Besonders preisverdächtig ist auch, dass Luis sprachgewandt ist und er auf Spanisch, Englisch und Deutsch über seine Tierchen sprechen kann, er ist gebildet und weiß, dass es nicht nur einfach Dinosaurier gibt, sondern wie sie heissen.

Luis träumt auch gern von Schönem: davon, wie es wäre, wenn man morgens kein Müsli essen müsste, wie es wäre, wenn das Fahrrad nicht so schwer wäre, wie es wäre, wenn...Luis malt sich die Zukunft gerne aus, die nächste Minute, die nächsten zehn, und so macht er die Welt immer ein bisschen besser, weil er sie sich wünscht, und das dann auch sagt, und er dabei so glücklich ausschaut als sei es schon gelungen, das Gewünschte.

Kurz. Luis macht wirklich Hoffnung, er ist ein vielversprechender, hinreissender Neffe und die Welt wäre wunderbar, wenn sie mehr von Luis hätte.

Nun gut, Luis hat keine gefolterten Gefangenen aus Guantanamo befreit, er hat nicht diejenigen, die im eigenen Land oder im Namen des eigenen Landes im Ausland Verbrechen begangen haben, juristisch zur Rechenschaft gezogen, er hat nicht die Parteien im Nahen Osten auf faire Bedingungen für Friedensverhandlungen verpflichtet oder die Einhaltung der Menschenrechte, er hat nicht den Kampf gegen die Erderwärmung vorangetrieben, er hat nicht den Krieg in Afghanistan beendet oder den in Irak - aber das hat Obama ja auch nicht.

Ich bin also dafür, dass nachträglich auch mein Neffe Luis den Friedens-Nobelpreis bekommt.

Kommentare

  • Anna Quistorff
    12. Okt 2009 16:59
    Was ich zwar gedacht, aber nicht zu sagen wagte
    Du hast es gewagt. Bravo. Die Obamania muss beendet werden, der Friedens- Nobelpreis darf nicht auf diese Weise entwertet werden. So verkommt er zu einem opportunistischen, politischen Instrument.
  • Thomas Augsberger
    12. Okt 2009 19:20
    Luis for President
    Liebe Carolin, wir wollen aus Luis sicherlich alle keinen "Joe, The Plummer" machen aber als US Praesidentschaftskandidaten im Jahre 2040 (das Mindestalter fuer US Presidents ist 35 Jahre) koennte ich ihn mir schon vorstellen., vorallem auch deshalb gerne weill Tessa dann mit ihm in Weissen Haus wohnen wuerde. Best, Thomas
  • gay koch
    14. Okt 2009 00:06
    wunderbare kinder sind ermutigend
    WIE wunderbar,dass es solche kinder wie luis gibt-und WIE schön,dass er dein neffe ist.
  • karla emcke
    14. Okt 2009 04:27
    hallo lini
    ich bin karla emcke, luis' schwester, und ich finde auch das luis genau so gut den preis haette gewinnen koennen. ich finde du schreibst super und hoffe in der schule auch so gut schreiben zu lernen alles liebe, karla
  • Emilia Emcke
    14. Okt 2009 04:32
    Hallo Lini
    Ich bin die schwester von Luis Emilia Und ich finde das du tol schreibst ich stimme dir zu das luis den preis gewinnen koente. P.S Du kannst ser toll schreiben Viele Gruesse, Emilia
  • Salwa Duaibis
    14. Okt 2009 17:07
    Dear Luis
    Dear Luis, You don’t know me. My name is Salwa and I live in Ramallah, in the West Bank. I am 49 years old and I have lived under occupation almost all my life. Today I finally felt that occupation will come to an end when I read that Carolin is nominating you for the Nobel Peace Prize. I think this is a brilliant idea, the best idea I have heard in a long long time. You ARE the right person. Not only do you speak three languages: English, Spanish and German, but you also speak the language of kindness and care. My German is not good enough to understand what Carolin wrote about you, but I can tell from the two pictures I saw that you are a kind person. I would like to invite you to visit Ramallah. You will meet lots of people, see lots of donkeys and camels, and you will also learn Arabic. Just imagine how many stories you will be able to tell in so many languages. People like you, who can tell stories with their heart and not only with their tongue, is what we need. I vote for you, ONLY for you. Salwa
  • klaus W.
    14. Okt 2009 20:56
    Glückwunsch
    Ich bin auch dafür, dass Ihr Neffe den Friedensnobelpreis bekommt. Er hat ihn verdient. Mit diesen genannten Vorraussetzungen kann man von dem jungen Mann ja noch viel erwarten! Vielleicht wird er mal Präsident! Alles Gute Klaus W.
  • Gattineau
    15. Okt 2009 16:59
    zugegeben: schwer zu verstehen
    Ich kann Ihren Sarkasmus gut verstehen. Für Sie, die ungezählte Menschen kennt, die den Preis - gemeinsam mit Ihrem Neffen (und den begeisterten Nichten) - zurecht verdient hätten, ist diese Preisvergabe in gewisser Weise ein Schlag ins Gesicht. Und Sie haben Recht - viel vorzuweisen hat Obama nicht. Bei allen - zurecht - kritischen Fragen hinsichtlich dieses Preisträgers: ich habe diese Vergabe als Zeichen dafür gewertet, dass die Signale, die Obama versucht zu setzen - in dem er den Dialog sucht und nicht mehr auschließlich die militärische Übermacht - dass diese Zeichen als der Weg zu mehr Frieden und Gerechtigkeit gesehen und unterstützt werden sollen. Sicher: so gesehen hätten ihn erst recht zig andere verdient....
  • Cornelia
    20. Okt 2009 13:32
    falsche wahl ?
    Hoffen wir, dass Ihr Neffe einen Weg vor sich hat, der ihm auch noch in 20 oder 30 Jahren die Option auf einen Friedensnobelpreis garantieren wird. Wenn man sich die Liste der Friedensnobelpreisträger ansieht, gibt es wohl manche Preisvergabe, die fragwürdig erscheint. So auch, da stimme ich mit Ihnen überein, die an Obama. Vielleicht ist dies nur das Resultat der Erleichterung, dass Herr Bush endlich von der Bildfläche verschwand, und sein Nachfolger sich bemüht die unerträgliche Arroganz vieler Regierungsverantwortlicher abzulegen und selbstverständliche, menschliche Kommunikationsformen an den Tag zu legen. Dies allein ist zwar noch nicht preiswürdig, verdient aber auch nicht die Häme und Ablehnung, die dieser Preisvergabe folgte. Es ist die Aufforderung an alle Menschen, sich mit Worten und nicht mit Waffen auseinanderzusetzen. Ein frommer Wunsch, ich weiß …
  • Michael Kaltenbach
    13. Jan 2010 13:24
    Nobelpreis für Emcke
    Ich wünschte mir, Sie würden den Friedensnobelpreis erhalten. Mit Ihren aufrüttelnden Reportagen haben Sie mehr zum Frieden beigetragen als viele der bisherigen Preisträger (Ich erspare uns Namen). Ihr Neffe kann stolz sein, Sie zur Tante zu haben.

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Mein preisverdächtiger Neffe
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