12.10.2009
Nobelpreis fürs Wünschen
Was ich nicht verstanden habe, ist, warum nicht mein kleiner Neffe Luis den diesjährigen Friedens-Nobelpreis bekommen hat. Luis ist sanftmütig und freundlich, er spaltet nicht und er mag keine Streitereien. Was vor allem für ihn spricht, ist, dass er, der seine Gummitiere über alles liebt und sie überall mit hinträgt und mit ihnen sich in seine eigene Welt redet und spielt, dass er seine geliebten Gummitiere auch abgibt und sie mit anderen teilt.
Besonders preisverdächtig ist auch, dass Luis sprachgewandt ist und er auf Spanisch, Englisch und Deutsch über seine Tierchen sprechen kann, er ist gebildet und weiß, dass es nicht nur einfach Dinosaurier gibt, sondern wie sie heissen.
Luis träumt auch gern von Schönem: davon, wie es wäre, wenn man morgens kein Müsli essen müsste, wie es wäre, wenn das Fahrrad nicht so schwer wäre, wie es wäre, wenn...Luis malt sich die Zukunft gerne aus, die nächste Minute, die nächsten zehn, und so macht er die Welt immer ein bisschen besser, weil er sie sich wünscht, und das dann auch sagt, und er dabei so glücklich ausschaut als sei es schon gelungen, das Gewünschte.
Kurz. Luis macht wirklich Hoffnung, er ist ein vielversprechender, hinreissender Neffe und die Welt wäre wunderbar, wenn sie mehr von Luis hätte.
Nun gut, Luis hat keine gefolterten Gefangenen aus Guantanamo befreit, er hat nicht diejenigen, die im eigenen Land oder im Namen des eigenen Landes im Ausland Verbrechen begangen haben, juristisch zur Rechenschaft gezogen, er hat nicht die Parteien im Nahen Osten auf faire Bedingungen für Friedensverhandlungen verpflichtet oder die Einhaltung der Menschenrechte, er hat nicht den Kampf gegen die Erderwärmung vorangetrieben, er hat nicht den Krieg in Afghanistan beendet oder den in Irak - aber das hat Obama ja auch nicht.
Ich bin also dafür, dass nachträglich auch mein Neffe Luis den Friedens-Nobelpreis bekommt.