Wie die Huffington Post berichtet, wurde Bob Dylan in New Jersey von zwei Polizisten gestoppt, die nicht wussten, wer Bob Dylan ist.
Nun hat es natürlich eine gewisse Komik, sich Bob Dylan vorzustellen, der auf die Frage, wer er sei, mit "Bob Dylan" antwortet, und die Anfang 20jährigen Polizisten daraufhin nicht um ein Autogramm bitten, sondern ihn abführen. Auch fragt man sich, wie derselbe Vorgang wohl mit anderen Prominenten ausgegangen wäre: wie der Papst wohl reagiert hätte. Oder Madonna. Wer den wortkargen Bob Dylan kennt, der wundert sich, dass er überhaupt auf die Frage der Beamten mit mehr als zwei Silben geantwortet haben soll.
Aber das wirklich Bemerkenswerte an der Geschichte ist nicht das Unwissen der jungen Cops in New Jersey, sondern: warum sie ihn überhaupt gestoppt haben.
Der Musiker hatte nämlich Ungeheuerliches getan: einige Stunden vor seinem Konzert im nahegelegenen Baseball-Stadion (sic!) war Bob Dylan einfach ein bisschen spazierengegangen.
Allein die Vorstellung, sich freiwillig und ohne Auto zu bewegen, muss schon Misstrauen erregt haben, angesichts der Krise der Autobranche in den USA gilt das allein vermutlich schon als unpatriotisch.
Besonders verdächtig aber war, dass Dylan in einer armen, vornehmllich von "Minderheiten" bewohnten Gegen herum spazierte. Zunächst einmal ließe sich ja fragen, ob nicht letztlich jede Gegend von einer Minderheit bewohnt wird. Aber jedenfalls war es wohl ein einzigartiger Vorgang, dass jemand ohne Autopanne, ohne Not in dieser Nachbarschaft spazierengeht. Ein Mann, der einfach so in einem armen Viertel herum wandert, ohne Angst ausgeraubt zu werden, ohne Angst vor "den Minderheiten" der Gegend - das schien so unwahrscheinlich, dass ein Nachbar die Polizei verständigte.
Dass die Polizisten nicht wussten, wen sie da nach seinem Ausweis fragen, ist lustig, tröstet aber nicht über die Trostlosigkeit der Geschichte hinweg. Hier verteidigten sch nicht hysterische Anwohner einer gated community, sondern hier konnten sich die armen Bewohner eines Migranten-Stadtteils nicht vorstellen, dass ein Weißer sich für ihre Nachbarschaft interessieren könnte. Wie eingeschlossen und ausgeschlossen zugleich muss das Leben in dieser Gegend sein, dass ein unbekannter Besucher so ein ungewöhnliches und beunruhigendes Erlebnis ist. Das Bemerkenswerte an dieser Geschichte ist nicht die Anonymität des Stars, sondern die Anonymität und soziale Unsichtbarkeit einer ganzen Gegend.