Was ich nicht verstanden habe, ist, was die Sexualität der Eltern mit dem Wohl des Kindes zu tun haben soll?
Auf den Vorschlag von Bundes-Justizministerin Brigitte Zypries (SPD), homosexuellen Paaren das volle Adoptionsrecht zu geben, entgegnete Volker Kauder (CDU): "Es geht bei dem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder."
Aha. Zunächst also ist für Herrn Kauder der Kinderwunsch bei homosexuellen Paaren bloßer Ausdruck von Selbstverwirklichung.
Na, was bitte ist denn der Kinderwunsch bei heterosexuellen Paaren? Zwangsbeglückung? Christliche Reproduktions Pflicht, der sich die Paare aus Vernunftgründen opfern? Hat denn der Kinderwunsch bei heterosexuellen Paaren so wenig mit der Freude und der Lust auf ein Leben mit Kind zu tun?
Wenn das so wäre, dann sollte dringend darüber nachgedacht werden, ob heterosexuelle Paare wirklich dem Wohl des Kindes dienen können. Denn wie fühlte sich das wohl für ein Kind an, das dauernd mit dem Wissen aufwächst, seine Eltern empfänden es als ein Hinderniss für ihre eigene Selbstverwirklichung?
Zum anderen ist für Herrn Kauder das Wohl des Kindes gefährdet, wenn es bei homosexuellen Eltern aufwächst. Warum eigentlich? Was hat denn die Sexualität der Eltern mit dem Wohl des Kindes zu tun? Warum sollte das Wohl des Kindes gefährdet sein, wenn die Eltern homosexuell sind?
Herr Kauder fürchtet anscheinend, dem Kind würde dadurch geschadet, dass es mit ansehen muss, dass seine Eltern schwul sind. Warum? Weil es dann selbst schwul würde? Weil das ansteckend ist? Weil Eltern ihre Sexualität an ihre Kinder vererben? Weil Homosexualität sich dann plötzlich epidemisch ausbreiten würde?
Hübsche Theorie. Nur leider lässt sich damit nicht erklären, wie jemals homosexuelle Kinder von heterosexuellen Eltern stammen können.
Wissenschaftliche Studien zu der Frage, ob die Kinder von homosexuellen Eltern eine größere Neigung zur Homosexualität hätten, widersprechen dieser Annahme. Aber für einen sexuellen Hypochonder wie Herrn Kauder sind empirische Untersuchungen keine Hemmnisse für seine Phantasmen.
Was treibt Herrn Kauder bloß so um bei dieser Vorstellung? Selbst wenn es so wäre, und auf einmal aus lauter homoexuellen Eltern lauter homosexuelle Kinder "rauskämen" - was wäre daran das Problem?
In Wahrheit sind doch nicht die homosexuellen Eltern ein Problem des Kindes, sondern diejenigen, die die Homosexualtität der Eltern für ein Problem halten. Dem Wohl des Kindes schadet nicht die Homosexualität der Eltern, sondern die Homophobie von Leuten wie Herrn Kauder.
Der bayrische CSU-Fraktionschef Georg Schmid ergänzte, für die Entwicklung von Kindern sei es das Beste, wenn sie mit Vater und Mutter aufwüchsen.
Ah. Brillant. Und was macht dann die CSU in den Fällen von alleinerziehenden Müttern oder Vätern? Wird denen dann das Sorgerecht entzogen, weil es auch nicht zum Wohl des Kindes ist?
Und was ist mit all den heterosexuellen Väter und Müttern, die ihre Kinder missbrauchen und misshandeln, vernachlässigen und vergewaltigen, oder einfach nur lieblos und gleichgültig behandeln? Das sind doch Väter und Mütter, und es ist doch für Kinder immer das Beste, wenn sie bei Vater und Mutter aufwachsen, nicht?
Das Beste für Kinder sind Eltern, die ihr Kind lieben, die es fördern und fordern, und die ihm vermitteln, dass Gleichwertigkeit nicht Gleichartigkeit bedeutet.
Eine Erkenntnis, die Herrn Kauder anscheinend abgeht.