Carolin Emcke
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13.01.2011

"Yvonne wartet auf ein Dach" - Haiti

erschienen in: DIE ZEIT, 13. Januar 2011

Als Barack Obama am Morgen des 13. Januar 2010 den Diplomatic Reception Room des Weißen Hauses in Washington betritt, liegt das Erdbeben kaum 24 Stunden zurück. In dem ovalen, fensterlosen Raum im Erdgeschoss steht der Präsident der Vereinigten Staaten, neben ihm Vizepräsident Joe Biden. An den Wänden leuchtet die berühmte französische Panoramatapete Views of North America von 1834, die amerikanische Landschaften und Orte abbildet. Der Hafen von Boston, die Niagarafälle, die New York Bay. 32 idyllische Bilder aus der Neuen Welt. In wenigen Minuten, vor der versammelten Presse, soll der erste schwarze Präsident Amerikas Worte finden für den Inselstaat Haiti, dessen schwarze Bewohner sich einst als erste Sklaven von ihren französischen Kolonialherren befreit hatten.

Bis spät in die Nacht haben ihn Mitarbeiter mit Informationen aus Haitis Hauptstadt Port-au-Prince versorgt. Die Anzahl der Toten und Verletzten ist noch unsicher, aber die Fernsehbilder zeigen zerborstene Häuser, abgerissene Gliedmaßen, staubbedeckte Hände, die aus Trümmern ragen, entstellte Leichen, Wellblechhütten und Kathedralen, aufgetürmt und niedergedrückt am Vortag zwischen 16.53 und 16.54 Uhr. Es sind Bilder, die umgehend von Sendern in der ganzen Welt verbreitet werden, Bilder, die die Menschen in der globalisierten Welt nicht nur zu Zuschauern, sondern auch zu Mitwissern des Leids machen. Zu Mitverantwortlichen. Obamas Vorgänger, Bill Clinton und George W. Bush, waren an ähnlichen Aufgaben gescheitert: Clinton, als er 1993 den militärischen Einsatz im zerfallenden Staat Somalia medial inszenieren wollte, dabei aber nur das eigene Scheitern sichtbar machte, und Bush, als er 2005 den Opfern des Hurrikans Katrina in New Orleans Hilfe versprach, sie dann aber vergaß.

So spricht Obama an diesem ersten Tag nach dem bislang schwersten Erdbeben des 21. Jahrhunderts nicht nur sein Beileid aus. Er verspricht den Haitianern nicht nur die rückhaltlose Unterstützung der amerikanischen Regierung, er spricht auch von der Wirkung der »herzzerreißenden« Bilder. Noch atmen Menschen unter den Trümmern, jede Stunde zählt. Zwei Tage später, am 15. Januar, als Obama erneut zu einer Ansprache in den Diplomatic Reception Room lädt, sagt er: »Das Ausmaß der Zerstörung ist dramatisch, wie wir alle im Fernsehen sehen können.« Es ist ein umfassendes »Wir«, das Obama meint: die eine, medial verbundene Welt der Zuschauer. In unserem Namen gibt der Präsident im Januar 2010 ein Versprechen ab: Haiti solle nicht nur kurzfristige Nothilfe erhalten, Haiti solle »wiederaufgebaut« werden. Der Name des Projekts: Unified Response.

Am 16. Januar trifft die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton an Bord einer Maschine der U.S. Coast Guard in Haiti ein, mit ihr im Flugzeug 100 Kisten Wasser, Seife, Zahnpasta und Fertiggerichte für die mehr als 140 Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft. Es kursieren jetzt Zahlen über das Ausmaß der Katastrophe: 230000 Tote und 1,3 Millionen Obdachlose zwischen der Hauptstadt Port-au-Prince und der Küstenstadt Léogâne. Clinton trifft sich für eine Stunde mit Haitis Präsident René Préval und wiederholt das Versprechen der Welt: »Wir werden hier sein, heute, morgen und auf lange Sicht.« Und dann ergänzt die amerikanische Außenministerin, woran sich das Versprechen eines neuen, besseren Haiti messen lassen soll: »Ein Gebäude, das halb zerstört ist, soll nicht einfach nur wieder aufgebaut werden, sondern wir sollten darüber nachdenken, wie die ganze Straße aussehen soll.«

Als Yvonne Gelné, 47, am Morgen des 4. März Platz nimmt auf dem rostigen Eisenstuhl inmitten der Überreste ihres Hauses, sind acht Wochen seit dem Beben vergangen. Sie trägt einen blauen Pullover, einen halblangen Rock und einen schwarzen Hut. Sie ist allein. Das, was einmal ihr Wohnzimmer war, existiert nicht mehr. Es gibt keine Wände und Fenster, keine Möbel, es gibt überhaupt keine Räume mehr, nur noch einen steinernen Boden und um Yvonne herum in ihrer Straße ein Kaleidoskop der Verwüstung. Es ist Frühling, bald werden die regenreichen Wirbelstürme kommen, und in Yvonnes Viertel, der Armensiedlung Fort National in Port-au-Prince, gibt es noch immer keine Zelte und keine Hilfe. Die meisten ihrer Nachbarn sind in die Lager im Zentrum der Stadt geflohen, zum Champ de Mars, dem Exerzierplatz am eingestürzten Präsidentenpalast, wo ab und zu ein vereinzelter Bagger im Schutt gräbt. Aber Yvonne will nicht weg aus Fort National, nicht fort von ihrem Haus, auch wenn es kein Haus mehr ist. Nachts geht sie zu einer Garage, kriecht in ein altes Auto, rollt sich auf dem Rücksitz zusammen wie ein frierendes Tier und versucht zu schlafen. Tagsüber kommt sie zurück an den Ort, an dem einmal ihre Familie lebte. Ihre Schwägerin ist tot, ihre Nichte auch, sie liegen noch immer verschüttet unter den Trümmern, vor denen Yvonne ihren rostigen Stuhl abgestellt hat. Es blieben nur ihr Bruder Fradieu und seine Kinder.

»Vive Jesus 4ever« steht an den Resten einer Wand, und das ist nicht ironisch gemeint.

Es gibt Häuser, die komplett im Erdreich versunken sind, in senkrechter Linie, wie mit dem Lot gezogen. Andere sind in die Höhe gehoben worden. Bei einigen hat das Beben das unterste Stockwerk neben das oberste gedrückt, Decken verdreht und verkantet, und manche Etagen liegen flach aufeinander wie ein Schichtkuchen, Kabel staken hervor und menschliche Knochen. Ausgemergelte Hunde mit geschwollenen Zitzen stromern herum. Hungrige Menschen irren durch den Schutt. Beinamputierte, die zu früh aus den Hospitälern entlassen wurden, hinken durch die Trümmer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wunden in dem Dreck entzünden; die Verbände lecken schon, in einigen Wochen wird der Stumpf erneut aufgeschnitten und das Bein weiter verkürzt werden müssen. Und unter den Steinbergen, unter all der sichtbaren Zerstörung, liegen die unsichtbaren Toten, die ungeborgenen Leichen, Yvonne kann sie aufzählen, zu jedem Haus, zu jeder Ruine kann sie die Namen derer nennen, die darunter verfaulen. Zwei Monate nach dem douze janvier, wie die Menschen in Haiti sagen, nimmt der Friedhof von Port-au-Prince keine neuen Leichen mehr auf, die Toten landen in Massengräbern im Norden der Stadt. Die Toten aus Yvonnes Straße müssen erst noch geborgen werden.

»Ich kann sie doch nicht alleinlassen«, sagt Yvonne, und so sitzt sie den ganzen Tag lang stumm auf diesem Stuhl. Andere um sie herum stöbern in den Ruinen, auf der Suche nach etwas Stabilem: einer Tür, einem Stahlträger, nach einer Aufgabe, die den Verstand beisammenhalten könnte. Es gibt keine Rationalität angesichts einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, das Ausmaß der Katastrophe macht alles gleich sinnvoll oder sinnlos – ob Yvonne Gelné auf einem Stuhl sitzt und trauert oder ihr hagerer Nachbar Kesnel Florial auf einem verbogenen Kupferstrang herumhämmert. Es ist einerlei in einer Straße, in der das Beben alles aufgelöst hat.

Die Straße, in der Yvonne lebt, heißt Ruelle Estimé. Sie verläuft mitten durch Fort National. Sie beginnt an der Rue Fort National, am Tor zu einem historischen Fort, das die Engländer 1794 gebaut hatten und in dem vor einigen Jahren die UN Posten bezogen haben. Dann schlängelt sie sich an der Außenmauer des Forts entlang, nach der Biegung öffnet sie sich und gibt eine kleine Ausbuchtung frei, die Place Sapatann, den Marktplatz des Viertels. An guten Tagen ist der Platz Freilufttheater, Disco, Versammlungsort, an guten Tagen spielen die Männer hier Karten auf einem Brett, das sie sich über die Knie gelegt haben. An schlechten Tagen, wie jenen nach dem Beben, als die Bewohner von Fort National nicht wussten, wohin mit den Toten, haben sie die Leichen hier gestapelt. »Anfangs dachten wir noch, es kommt jemand und hilft, die Regierung oder eine Hilfsorganisation«, sagt Kesnel Florial, der einige Meter hangabwärts von Yvonnes Ruine lebt. Als niemand kam, trug Kesnel mit anderen Überlebenden die Toten direkt vor das Tor der UN-Vertretung. »Wir dachten, wenn sie die Leichen riechen, dann kämen sie raus aus ihrem Fort, dann würden sie helfen...« Kesnel spricht den enttäuschenden Schluss der Geschichte nicht einmal mehr aus.

Auch der Gestank der gärenden Körper lockte die Soldaten nicht hervor. »Also haben wir die Leichen hier verbrannt«, sagt Kesnel und zeigt auf einen Haufen Steine und Unrat, der am Rand der Place Sapatann liegt.

An der Ruelle Estimé gab es alles, was die Bewohner von Fort National brauchten: eine Schule, einen Friseur, acht Kirchen unterschiedlicher Glaubensrichtungen, ein Fußballfeld, zwei Lottostände und mehrere Kioske, an denen es Öl und Reis, Mangos und Süßkartoffeln zu kaufen gab. »Es war eine friedliche, fröhliche Gegend hier«, sagt Yvonne. Sie hatte Arbeit als Verkäuferin. Ihr Nachbar Kesnel brachte seine vier Kinder durch, indem er gebrauchte Schuhe reparierte und verkaufte. Heute kann sich in der Ruelle Estimé niemand mehr Schuhe leisten.

Die Schule ist zerborsten, drei Kinder liegen noch unter den Trümmern. Der Friseur ist tot. Drei Kirchen sind komplett zerstört, vier haben Risse und dürfen nicht betreten werden. Nur der Fußballplatz ist unversehrt. Am Fuße der Ruelle Estimé ist ein kleines Lager entstanden, in dem Familien unter freiem Himmel leben, sie waschen, kochen und schlafen zwischen Müll und Ungeziefer. Das ist ihnen lieber als eines der Lager im Zentrum von Port-au-Prince. Sie fürchten die alltägliche Gewalt dort.

Kaum eine Gegend wurde schlimmer getroffen durch das Beben als Fort National, dieses dicht besiedelte Viertel aus einfachen steinernen Häusern. 55 Prozent aller Gebäude in Fort National wurden als »abrissreif« klassifiziert – in ganz Port-au-Prince sind es 24 Prozent. Nur 18 Prozent der Häuser im Viertel gelten noch als »bewohnbar« – in den anderen Gegenden sind es durchschnittlich 47 Prozent. Schätzungsweise 11.000 ehemalige Bewohner von Fort National hausen im Zentrum von Port-au-Prince, im Lager neben dem Präsidentenpalast oder in einem der 1200 anderen Lager, die die Stadt in einen Flickenteppich aus improvisierten Verschlägen, Plastikplanen und Wellblechstücken verwandelt haben. Die übrigen Bewohner harren aus, in den Ruinen der Ruelle Estimé, wo nichts zu sehen ist von der internationalen Gemeinschaft, die laut Hillary Clinton über den Aufbau ganzer Straßen nachdenkt.

Auf Hilfe hoffen? Hilfe, die vielleicht nicht eintrifft? »Das will ich nicht«, sagt Yvonne an diesem Tag im März. Hoffnung ist eine Anstrengung, die sie sich nicht leisten kann.

Zwei Wochen später, am 31. März, treffen sich die Vertreter von mehr als 150 Staaten und internationalen Organisationen im Hauptquartier der Vereinten Nationen am East River in New York. Das Erdbeben liegt mittlerweile zweieinhalb Monate zurück, Tausende Helfer haben Haiti überzogen, erfahrene wie unerfahrene, von großen wie kleinen Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt. Millionen privater Spenden sind auf ihren Konten eingegangen – doch jetzt soll die erste offizielle Geberkonferenz des globalen »Wir« stattfinden.

Die Aufgabe ist enorm. Schon vor dem Erdbeben galt Haiti als »gescheiterter Staat« – auch wenn fraglich ist, ob Haiti je ein funktionierender Staat war. »Für eine neue Zukunft in Haiti« lautet der Titel der Versammlung. Die Fahnen vor der UN-Zentrale flattern in alphabetischer Reihung, als die Repräsentanten der Geberländer zusammenkommen. Aus spontaner Nothilfe soll jetzt nachhaltiger, koordinierter Aufbau werden. Die Regierung von Haiti hat dazu einen »Aktionsplan für Wiederaufbau und Entwicklung« vorgelegt, der die eigenen Ziele formuliert und an dem sich die Konferenzteilnehmer orientieren sollen.

Viele, die in New York eintreffen, sind sich der langen Kette aus Verbrechen und Versagen ausländischer Einmischung in Haitis Geschichte bewusst. Zumindest sagen sie das an diesem Frühlingstag in Manhattan. »Wir, die globale Gemeinschaft, müssen es anders machen als früher«, sagt die amerikanische Außenministerin Clinton selbstkritisch: »Es wäre allzu leicht, in alte Gewohnheiten zurückzufallen und an der Regierung vorbei anstatt mit ihr zu arbeiten.« Nachdem die französischen Kolonialherren die fruchtbare Insel mit ihren Zuckerrohrfeldern, den Kaffee-, Indigo- und Baumwollplantagen ausgebeutet hatten, erlebte Haiti im 20. Jahrhundert eine Abfolge aus einheimischen Diktaturen und amerikanischen Interventionen, die ordnungspolitische Außenpolitik mit der Rhetorik »humanitärer Hilfe« zu verknüpfen suchten. Durch Korruption und Gleichgültigkeit der politischen Eliten war zudem eine fragmentierte, entsolidarisierte Gesellschaft entstanden, die besonders anfällig dafür ist, von einer internationalen Hilfsmaschinerie überrollt und entmündigt zu werden.

Jetzt soll alles anders werden. Dazu versprechen die Geberländer Haiti 5,3 Milliarden Dollar. Binnen 18 Monaten soll das gesamte Geld ausgezahlt werden. 1,1 Milliarden wollen die Vereinigten Staaten beisteuern. Catherine Ashton, die EU-Außenbeauftragte, verpflichtet Europa auf 1,6 Milliarden Dollar. Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht, verspricht zusätzlich 194 Millionen Dollar. Die Spenden sollen in einen von der Weltbank überwachten Fonds gezahlt werden, für die Verteilung der Gelder soll eine Kommission gegründet werden, die Interim Haiti Recovery Commission (IHRC), und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verkündet vollmundig: »Was wir uns vorstellen, ist eine vollständige nationale Erneuerung, eine umfassende Übung in Nation-Building in einer Größenordnung, wie es sie seit Generationen nicht gegeben hat.«

Der Begriff »Nation-Building« hat Tradition auf den Foren internationaler Tagungen, die sich mit Kriegen und humanitären Interventionen befassen. Weltweit publizieren Forscher zu der Frage, was Nation-Building bedeutet, welche machtpolitischen oder moralischen Motive Staaten bewegen, sich daran zu beteiligen, und was es braucht, damit Nation-Building gelingt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden so unterschiedliche Versuche wie jene in Deutschland und Japan, in Somalia, im Kosovo, in Afghanistan oder im Irak miteinander verglichen.

Spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges werden zerfallende Staaten von den Vereinigten Staaten als außenpolitisches Problem wahrgenommen. Die Aussicht auf einen Exodus von Flüchtlingen aus Haiti, die als Boatpeople die Küste Floridas erreichen könnten, gehört zu jenen gefürchteten Szenarien, die schon zu Bill Clintons Amtszeit das Verhältnis zu Haiti bestimmten. Unter George W. Bush wurde mit der Sicherheitsdoktrin von 2002 schließlich das Nation-Building ganz offiziell als ein Instrument amerikanischer Ordnungspolitik etabliert.

Was Nation-Building in Haiti aber genau bedeuten soll, erklärt weder der UN-Generalsekretär noch irgendjemand sonst auf der Versammlung. Wie soll dieser Staat durch andere Staaten neu aufgebaut werden? Wie soll eine identitätsstiftende Ideologie von Fremden entwickelt werden? Wie soll ein solches Konstrukt legitimatorische Kraft entfalten? In einem Land, dessen größter Stolz die Befreiung von der Herrschaft fremder Mächte ist?

Das Versprechen von New York ist ein Paradoxon: Der haitianische Staat soll neu errichtet werden, aber unter der Beteiligung des alten. Die internationale Gemeinschaft will sich einmischen, aber sie will sich nicht einmischen wie früher. Bill Clinton, der Sondergesandte der Vereinten Nationen für Haiti, verspricht »die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure«. »Dies war ein guter Start«, erklärt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Ende des Treffens, »jetzt müssen wir das Versprochene nur noch leisten.«

Einen Monat später, am 21. April, erlässt Haitis Präsident René Préval ein Dekret, das die Einsetzung der Interim Haiti Recovery Commission (IHRC) verordnet. Prévals Erlass erklärt in 15 Artikeln die Zusammensetzung und die Aufgabe der Kommission, die für die nächsten 18 Monate das Organ sein soll, das über die Vergabe des in New York zugesagten Geldes entscheidet. Zwar gibt es de jure noch eine haitianische Regierung, doch die regiert nur noch mit Notstandserlassen. Die anstehenden Neuwahlen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. De facto regiert von nun an die IHRC: Alle Organisationen, die Projekte zum Wiederaufbau entwickeln wollen und dazu Geld benötigen, müssen ihre Mittel bei der IHRC beantragen. Der Kommission stehen zwei Männer vor: Jean Max Bellerive, der haitianische Premierminister. Und, in einer Doppelrolle als UN-Sondergesandter und Kommissionspräsident, Bill Clinton.

Es dauert Wochen, bis die 26 haitianischen und ausländischen Mitglieder der Kommission ernannt sind. Bis sie schließlich das erste Mal tagen, sind zwei Monate vergangen. Es ist Juni geworden. Jetzt braucht die IHRC nur noch das versprochene Geld.

In der Ruelle Estimé durchdringt der warme Regen mittlerweile alles. Er läuft an den Kanten der lose befestigten Wellblechstücke entlang, durchtränkt die moderigen Kartons, beschwert die Fetzen der Plastikplane mit dem grauen Schriftzug »USAid«. Der Regen sammelt sich auf dem Boden des Hauses, das es nicht mehr gibt, und läuft in Pfützen in Yvonnes Verschlag zusammen. Neben dem Eingang verwahrt Yvonne eine kleine Matratze, darauf schlafen nachts ihre zwei Nichten. Sie selbst schläft auf dem Boden, aber weil der meist nass ist, schläft sie oft gar nicht. Es ist der 22. September in Fort National, die tropische Hitze legt sich wie ein feuchtes Tuch auf die Lungen, acht Monate sind seit dem Beben vergangen, sechs Monate seit dem Versprechen der Weltgemeinschaft von New York, und bis zu diesem Tag hat niemand Yvonne ein Zelt auch nur angeboten.

Die Plastikplane mit dem »USAid«-Logo hat Yvonne auf dem Schwarzmarkt gekauft, für 500 haitianische Gourdes, umgerechnet neun Euro. Das ist viel Geld. Für Nägel, mit denen sie die Ränder der Plane befestigen könnte, müsste sie betteln gehen. Das will Yvonne nicht. Wen sollte sie denn schon nach Nägeln fragen, wenn es nicht einmal Essen gibt? »Die Regierung verteilt die Hilfsgüter wohl anderswo«, sagt Yvonne und schaut hinab auf das Zentrum von Port-au-Prince. Sie streichelt eine weiß-beige gefleckte Katze, die, an eine Schnur gebunden, vor ihrer Matratze hockt. Die Katze hat Yvonne sich von Nachbarn geliehen, um die Ratten zu vertreiben, die inzwischen die Ruinen der Ruelle Estimé bevölkern. Sonntags geht Yvonne zur Messe in einer improvisierten Kirche, die hinter ihrem Verschlag entstanden ist, aus einer Zeltplane und vier Holzbänken. Die Gottesdienste sind die einzige Ordnung, die noch Bestand hat, die einzige Struktur, die Yvonnes Tage voneinander unterscheiden.

Vor einigen Monaten war es für kurze Zeit besser. Von April bis Juni durften die Bewohner der Ruelle Estimé beim Aufräumen helfen. »Cash for Work« hieß das landesweite Programm, mit dem Nichtregierungsorganisationen Menschen wie Yvonnes Nachbar Kesnel zu Mindestlohnsätzen an den Aufbauarbeiten beteiligten. In 20er-Teams gruben sich Kesnel und die anderen Männer aus Fort National für 200 Gourdes pro Tag, umgerechnet etwa dreieinhalb Euro, durch die verkanteten Trümmer, mit Spitzhacken, Schaufeln und Schubkarren. Für schwere Bagger waren die Gassen, die von der Ruelle Estimé den Hügel hinabführen, zu eng. »Wir mussten die Arbeit immer wieder unterbrechen«, sagt Kesnel und schiebt sich seine Baseballkappe mit dem Logo der Boston Red Sox zurecht, »weil wir unter den Trümmern die Leichen von Verwandten und Freunden fanden.« Seinen eigenen Vater grub Kesnel auf diese Weise aus. Er beerdigte die Überreste wenige Meter von seiner winzigen Hütte entfernt. Er teilt sich seinen Unterschlupf inzwischen mit seinem Stiefbruder Fritz. Vor dem Beben arbeitete Fritz als Bibliothekar, doch die Bibliothek ist zerstört. Hilfsorganisationen haben in den Lagern kleine provisorische Lesezelte für die Obdachlosen eingerichtet – aber die bestehenden Bibliotheken und deren Angestellte ignoriert. Fritz liest in einem französischen Grammatikbuch. »Das ist das Einzige, was meinen Verstand erhält«, sagt er, während Kesnel vom schnellen Ende des »Cash for Work«-Programms erzählt.

Nach zwei Monaten war es damit vorbei. »Es hieß, die internationalen Organisationen sollten abziehen«, erinnert sich Kesnel, »die haitianische Regierung wolle sich jetzt selbst kümmern.« Präsident Préval richtete eine Arbeitsgruppe Fort National/Champ de Mars ein, sie tagte wieder und wieder, Fertighäuser sollte es geben, aber weil die Bodenrechte in Haiti weitgehend ungeklärt sind, konnten sie nirgends aufgestellt werden. Seither ist nichts mehr geschehen in der Ruelle Estimé.

Unten im Zentrum von Port-au-Prince tobt derweil der »Krisenkapitalismus«, wie die kanadische Autorin Naomi Klein es nennt, weil der Wiederaufbau Haitis sie an einen einzigen Marketing-Feldzug spendenabhängiger Hilfsorganisationen erinnert. Jeden klimatisierten Landrover mit verdunkelten Scheiben, hinter denen Funktionäre der internationalen Organisationen sitzen, jedes Zelt, das auf dem großen Platz vor dem Präsidentenpalast aufgebaut wird, dort, wo gehfaule Fernsehleute auf Bilder warten, jedes stinkende Dixi-Klo am Rand der Flüchtlingslager ziert ein buntes Logo der jeweiligen Organisation. Als ob es nicht reichte, einfach zu helfen.

»Das Ausmaß des geopolitischen Interesses an Haiti ist erstaunlich«, sagt Stefano Zanini, der erfahrene Leiter der Mission von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince, über das Auftreten venezolanischer, chinesischer und brasilianischer Repräsentanten. Die Berichte über das Interesse amerikanischer Unternehmer am Aufbau von Textilfabriken im Norden der Insel bestätigt Zanini. Dazu passt, dass der amerikanische Botschafter sich in die parlamentarischen Verhandlungen über die Erhöhung des Mindestlohns in Haiti eingemischt und eine Ausnahmeregelung für die Textilbranche angeregt hat. Die Franzosen wollen sich um den Aufbau eines touristisch attraktiven Stadtzentrums von Port-au-Prince kümmern. Dazu passt, dass die Regierung den kleinen Ladenbesitzern rund um den Präsidentenpalast befohlen hat, die Gegend zu räumen. Auch die unübersichtliche Hilfsindustrie betrachtet Stefano Zanini kritisch: »Hier in Haiti wird sich der Unterschied zwischen wohlmeinenden und professionellen Helfern zeigen.«

Am 26. September ist die Ruelle Estimé ein zweites Mal verwüstet. Ein tropischer Sturm hat innerhalb weniger Stunden alles zerstört, was mühsam errichtet worden war. Riss die Plane von Yvonnes Verschlag fort und wehte die lumpigen Kartons den Hügel hinab. Nur ein paar Töpfe sind Yvonne diesmal geblieben, ihre durchnässte Matratze und die zitternde Katze.

In dem kleinen Lager am Fuß der Ruelle Estimé baut Pastor Samedi ein neues Zeltdach und fünf Bänke auf. Es ist Sonntag. Nach dem Beben ist der Baptist aus Fort National weggezogen, aber seine Gemeinde will er nicht alleinlassen. »Eine Messe brauchen wir jetzt dringender denn je«, sagt er. Die Gläubigen kommen nach und nach, sie tragen Anzüge und elegante Kleider, die sie aus dem Schutt gerettet haben, weil es noch immer Grund genug gibt, dem Leben mit Achtung und Selbstachtung zu begegnen. Sie bringen ihre Kinder mit und singen, als gäbe es etwas zu preisen. Die Schuld mag keinen Adressaten haben in einem Land, in dem sich niemand verantwortlich fühlt. »Aber der Glaube«, sagt der Pfarrer von Fort National, »der Glaube wird immer erhört.«

Als Bill Clinton das Lager auf dem früheren Golfplatz von Port-au-Prince betritt, können sich die Flüchtlinge nicht mehr zurückhalten: »Wir haben Hunger!«, schallt es dem Vorsitzenden der Interim Haiti Recovery Commission entgegen. »Wir halten das nicht mehr aus!«, rufen 55.000 Menschen, die knöcheltief im Dreck stehen. Es ist der 6. Oktober. Das Beben ist jetzt neun Monate her. Die IHRC, die das neue, bessere Haiti aufbauen soll, besteht seit sechs Monaten. Und Clinton, umschwärmt von Moskitos, muss aussprechen, was alle ahnen: Das versprochene Geld ist nicht da.

Von den zugesicherten 5,3 Milliarden Dollar sind gerade mal 732 Millionen eingegangen. Es fehlen mehr als 4,5 Milliarden Dollar. Ausgerechnet die Vereinigten Staaten, die 1,15 Milliarden Dollar versprochen hatten, sind säumig. Das Protokoll des Haiti Reconstruction Fund Steering Committee, das die Weltbank am 7. Oktober vorlegt, macht die Blamage deutlich: In einer Tabelle – unter dem Titel »Status der Beiträge« – werden die Geberländer aufgeführt. In einer Spalte stehen die Zusagen und in der nächsten die geleisteten Zahlungen. Als einzige Staaten haben Frankreich und die USA nichts von den versprochenen Summen an den Haiti Reconstruction Fund ausgezahlt. Unter »effektive Zahlungen« steht bei beiden Länden eine Null.

Wie kann das sein? Was ist aus dem Versprechen geworden?

Im Juli, vier Monate nach dem Beschluss der Konferenz von New York, stimmte der amerikanische Kongress der Vergabe von 917 Millionen Dollar für den Wiederaufbau in Haiti zu. Präsident Barack Obama unterzeichnete den Erlass. Doch ohne eine Autorisierung durch den Senat kann das Geld nicht fließen. Laut Associated Press soll Tom Coburn, ein Senator aus Oklahoma, seine Unterschrift unter die Verordnung, die das Geld für Haiti freigibt, verweigert haben.

So genau will Bill Clinton den Schuldigen an diesem Tag aber nicht benennen, schließlich fehlt das restliche amerikanische Geld auch deshalb, weil seine Frau, die amerikanische Außenministerin, den zuständigen Ausschüssen noch keine präzisen Angaben über die Verwendung der Summen vorgelegt hat.

Vielleicht liegt diese Verzögerung an den Untiefen einer Demokratie? Vielleicht liegt sie daran, dass es keine Bilder gibt von dem schnöden Geschacher um Geld und Wählerstimmen? Bilder, die ebenso entsetzen könnten wie jene von den verzweifelten Menschen am Tag des Bebens vor neun Monaten?

Ist es das? Ist es die Kurzlebigkeit des Mitleids, die erklärt, warum von dem großen Versprechen von New York so wenig geblieben ist?

Am 12. November schließlich kommen die ersten Gelder der Vereinigten Staaten. Das State Department gibt 120 Millionen Dollar frei – ein Zehntel der versprochenen Summe. Die Europäische Union stellt im ersten Jahr nach der Katastrophe immerhin 600 Millionen Euro bereit, mehr als die Hälfte ihrer Zusagen.

»Jetzt, wo der Jahrestag des Bebens näher rückt, kommen die Albträume wieder«, sagt Yvonne und streicht sich über die Stirn, als könne sie die Bilder vertreiben, die sie bedrängen. Es ist der 15. Dezember, elf Monate nach dem Beben. In der Ruelle Estimé stehen fünf bewaffnete brasilianische UN-Soldaten an der Place Sapatann und spachteln Mörtel auf die Risse an der Außenwand ihres Postens. »Zone militaire« steht auf einem Schild, Betreten verboten. Lebensgefahr. Um die zerstörten Häuser rings um ihren Posten kümmern sich die Soldaten nicht. Im Sommer haben Kesnel und Yvonne hier die Fußballweltmeisterschaft geschaut. »Als Brasilien rausgeflogen ist«, sagt Kesnel lachend, »bin ich zu Deutschland umgeschwenkt.« Sie hatten einen kleinen Apparat aufgestellt an der Place Sapatann und die Soldaten der Vereinten Nationen nebenan einfach ignoriert.

Jetzt steht nahe dem Platz das Zelt einer amerikanischen Hilfsorganisation, die sauberes Wasser verteilt. Die Cholera ist ausgebrochen in Haiti, erst in der Region Artibonite nördlich von Port-au-Prince, dann in der Hauptstadt selbst, und jetzt hat sie auch Fort National erreicht. 100.000 Menschen sind schon infiziert, nach Angaben des haitianischen Gesundheitsministeriums sind 2000 gestorben. »Es hat 1500 Tote gebraucht, um die internationale Gemeinschaft für die Gefahr der Cholera zu sensibilisieren«, sagt Stefano Zanini von Ärzte ohne Grenzen. »Wenn wir ein besseres Haiti aufbauen wollen, dann ist Hygiene entscheidend.«

Den Neffen von Kesnel hat es bereits erwischt, acht Tage lag er im Krankenhaus, dann durfte er wieder nach Hause in die Ruelle Estimé. »Wir vertrauen Gott und Ärzte ohne Grenzen«, sagt der junge Mann. Er ist Maurer. Eigentlich ein guter Job in einem Land, dem die Welt einen Wiederaufbau versprochen hat. Aber die Krankheit hat ihn zu sehr geschwächt, an Arbeit ist im Moment nicht zu denken. Und noch immer wird kaum aufgebaut. Kesnels Neffe schaut auf die Jungen, die auf dem Platz neben Yvonnes Verschlag Fußball spielen. »Ich hoffe, es sterben nicht zu viele«, sagt er.

Yvonne hat ein kleines Fläschchen mit Chlor hinter ihren Kochtöpfen deponiert, damit sie das Wasser reinigen kann. Sie holt es hervor und schärft den Nichten ein, dass sie ja darauf achtgeben sollen. »Die Cholera macht mir Angst«, sagt sie und bricht ab, Kopfschmerzen plagen sie schon lange, nun kommt der Schwindel hinzu, Schwindel vor Hunger. Auf der Ruelle Estimé, gleich hinter ihrem Haus, verkaufen sie jetzt schon argille, Kekse aus Lehm, weil die Hungrigen in Fort National sich nichts anderes leisten können. »Monat für Monat, Tag für Tag wird es schlimmer für uns.« Erst die Stürme, dann die Cholera und dann die gefälschten Wahlen vom 28. November. Das Beben zählt Yvonne schon nicht mehr auf.

Zu der Trauer über das unverschuldete Elend des douze janvier, zu der Enttäuschung über die ausbleibende Hilfe aus dem Ausland kommt die Wut angesichts der Gleichgültigkeit der eigenen politischen Klasse. Sie ist den Bewohnern der Ruelle Estimé zuwider. Deswegen ist keiner von ihnen wählen gegangen, nicht Yvonne, nicht Kesnel, nicht Pastor Samedi. Einzig der Vorsänger aus Samedis Gemeinde, Valés La Jeunesse, hat es versucht, aber sein Name fehlte auf der Liste der registrierten Wähler, nur einige Tote aus seiner Nachbarschaft standen darauf. »Aber selbst die hätten Prévals Kandidaten nicht gewählt«, sagt La Jeunesse.

Auf dem Fußballplatz neben Yvonnes Verschlag haben die jungen Männer von der Ruelle Estimé protestiert, direkt nach den Wahlen, als in ganz Port-au-Prince die Demonstrationen wegen des Wahlbetrugs eskalierten. Am Ende flogen auch in Fort National Steine, aber sie trafen niemanden. Es war niemand da, den sie hätten treffen können. »Wir sind die letzten Menschen, die erfahren, was geschehen wird«, sagt Pastor Samedi. Er klingt nicht einmal wütend dabei. »Nation-Building ist eine Illusion, was soll das denn auch heißen?«, sagt er und schaut fragend über die Trümmerlandschaft von Fort National. »Bevor es eine Nation gibt, braucht es eine Gesellschaft, braucht es Erziehung, braucht es eine Vorstellung von Fürsorge...« Der Pfarrer macht eine Pause. »Das ist etwas anderes als Geld versprechen.«

Ein Jahr ist vergangen in der Ruelle Estimé, ein Jahr nach dem bislang schlimmsten Erdbeben in der Geschichte des 21. Jahrhunderts – und was ist geschehen?

Die Website der Interim Haiti Recovery Commission verrät, dass viele vielversprechende Projekte von der Kommission angenommen wurden, zum Beispiel der Punkt »Ausbau des haitianischen Gesundheitswesens und epidemiologische Überwachung«. 70 Millionen Dollar über einen Zeitraum von zwei Jahren waren dafür veranschlagt, und diese Summe hat Brasilien auch angewiesen. Aber daneben gibt es dringliche Aufgaben wie die »Beseitigung der Trümmer«, 17 Millionen Dollar, eingegangen »null«. Unter der Rubrik »Spender« steht: »noch zu bestimmen«. Oder das Projekt zur Unterstützung der Bauern, das die Welternährungsorganisation FAO durchführen will, 29 Millionen Dollar über einen Zeitraum von 18 Monaten, davon bislang finanziert: »null«, Spender: »noch zu bestimmen«. Oder das »Arbeitsbeschaffungsprogramm«, das von einem Konsortium aus Vereinten Nationen und einer Reihe von NGOs durchgeführt werden soll, 65 Millionen Dollar über einen Zeitraum von zwölf Monaten, bisher finanziert: »null«, Spender: »noch zu bestimmen«.


Vielleicht war die Zeit zu kurz und die Zerstörung zu groß. Vielleicht ist es reine Hybris, zu glauben, ein Staat lasse sich so leicht aufbauen, wenn wir, die Welt, es nur wollen. Vielleicht ist es ungerecht all jenen ehrenwerten Einzelprojekten gegenüber, die geholfen haben. Vielleicht braucht es eine stabile Zivilgesellschaft, eine Opposition, eine lebendige Gemeinschaft, die den Aufbau selbst ordnen kann. All das ist ungewiss.

Gewiss ist nur: In der Ruelle Estimé ist die Hoffnung geschwunden, jeden Tag ein wenig mehr. Yvonne, Kesnel und Pastor Samedi träumen nicht von einem neuen, besseren Haiti wie Barack Obama und Ban Ki Moon, sie wollen keine großen Versprechen mehr von einer anderen Straße wie der, die Hillary Clinton sich vorstellte. Ihnen würde ein einzelnes Haus schon reichen, eines, das trocken ist und nicht beim ersten Regen zusammenfällt.

Am Neujahrstag haben sie erfahren, dass ganz Fort National abgerissen werden soll. Es ist bloß ein Gerücht. Yvonne, Kesnel und Pastor Samedi wissen nicht, ob es stimmt. Aber wundern würde es sie nicht mehr.




© Sebastian Bolesch
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